Prof. Dr. Christian Kassung
Professor für Kulturtechniken und Wissensgeschichte
Institutsdirektion
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Sprechzeiten: Mi. 16 bis 16 Uhr, bitte zur Sprechstunde mit Stichwort zum Anliegen im Sekretariat Christiane Gaedicke anmelden.
Die Professur »Kulturtechniken und Wissensgeschichte« verbindet die Erforschung der Kulturtechniken als einem impliziten, sowohl Praktiken wie Dinge umfassenden Wissen mit der Frage nach den historischen, materiellen und medialen Bedingungen von Wissen. Das Forschungsprofil ist somit nicht nur strikt interdisziplinär, sondern konzentriert sich vor allem auch auf die Randzonen, an denen neues Wissen entsteht, Störungen verhandelt, hegemoniale Ansprüche verfochten und Übersetzungen geleistet werden. Arbeitsschwerpunkte sind die Wissens- und Kulturgeschichte der Physik, die Kulturtechniken der Industrialisierung sowie die Geschichte und Praxis technischer Medien.
Christian Kassung ist seit 2006 Professor für »Kulturtechniken und Wissensgeschichte« an der Humboldt-Universität zu Berlin. Von 2018 bis 2023 leitete er die Kultur-, Sozial- und Bildungswissenschaftliche Fakultät als Dekan. Er ist Mitglied des »Hermann von Helmholtz-Zentrums für Kulturtechnik« (HZK) und des »Centers for the Science of Materials Berlin« (CSMB). Am Exzellenzcluster »Matters of Activity« wirkt er als Principal Investigator. Im Sommersemester 2023 war er Senior Fellow in der DFG-Kolleg-Forschungsgruppe »Imaginarien der Kraft« an der Universität Hamburg.
Filtering Oranienburg
Aktuell arbeitet Kassung gemeinsam mit Jürgen Rabe und Matthias Staudacher an der Publikation »Plancks Hexadekachor«.
Publikationen
2024
Sind Kulturtechniken kontextneutral? Und wenn nein: Wie würde Foucault wohl von der Kohlmannskuppe heruntergeschaut haben?
DOI: 10.30965/9783846767696_009
Filtern. Zur Theorie einer Kulturtechnik des 21. Jahrhunderts
DOI: 10.1515/9783689242220
Abstract
Der Begriff der Kulturtechnik befindet sich aktuell in einem entscheidenden Wandlungsprozess: dem Wechsel vom Apparat zur Umgebung. Kulturtechniken lassen sich nicht länger in Relation zu bestimmten einzelnen Gegenständen oder isolierten Situationen denken. Vielmehr sind sie zu environing technologies geworden, in denen die Differenz von Natur und Kultur aufgehoben ist.
Altlasten als (industrie)kulturelles Erbe? Ein Forschungsbericht zur Aufbereitung und Kommodifizierung radioaktiver Stoffe bei Auer in Oranienburg
DOI: 10.5771/0040-117X-2024-4-339
2023
On the Infrastructure of the Slaughterhouse
DOI: 10.1007/978-3-658-39468-4
»Du brauchst mir nichts zu schenken.« Über die Risikovermeidung des falschen Geschenks
DOI: 10.1515/9783111233796-008
ISBN: 9783111233796
Du brauchst mir nichts zu schenken. Über die Risikovermeidung des falschen Geschenks
DOI: 10.1515/9783111233796-008
ISBN: 9783111233796
2022
Staging the Kosmos: People–Spaces–Knowledge
Die Kosmos-Inszenierung: Personen – Räume – Wissen
2021
Gleich(zeitig)e Bilder. Über Anfänge und Störungen der Bildübertragung/Similar (and Simultaneous) Images. On the Inceptions and Interruptions of Image Transmission
Abstract
Fotografie war immer schon ein soziales Medium, das ge- und verteilt wurde. Aber warum kommunizieren Menschen miteinander über Bilder? Und was macht der Umgang mit den virtuellen Destillaten, die ja auch Fotografien sind, mit einer Gesellschaft? Der Katalog zur Themenausstellung Send me an Image. From Postcards to Social Media zeichnet die Entwicklung von Fotografie als Kommunikationsmittel vom 19. Jahrhundert bis zu ihren heutigen digitalen Repräsentanten im World Wide Web nach. Dabei liegt der Fokus auf einem Dialog von historischen Formen reisender Bilder aus der Fotogeschichte der letzten 150 Jahre mit zeitgenössischen künstlerischen Positionen ab den 1970er-Jahren, die sich mit traditionellen wie modernen Techniken, Nutzungsarten und Kommunikationswegen der Fotografie auseinandersetzen.
2020
Fleisch. Die Geschichte einer Industrialisierung
Abstract
Roh, gekocht, kalt, heiß, fettig oder mager – Fleisch ist heute überall und jederzeit verfügbar. Die allgegenwärtige Verfügbarkeit von Fleisch als Konsumware unterscheidet unsere Moderne von allen vorherigen Epochen. Wer verstehen will, warum und wie wir Fleisch essen, muss ins Berlin des 19. Jahrhunderts zurückgehen. Hier erlangte Fleisch jene Selbstverständlichkeit, die im Zentrum der aktuellen Ernährungsdebatten steht. Christian Kassung beschreibt in diesem Buch die Kulturtechniken der industriellen Schweinefleischproduktion von der Zucht, der Haltung, der Schlachtung bis hin zur Distribution und Zubereitung. Er schildert, wie erst durch die Verschränkung einer Vielzahl industrieller Prozesse und Technologien die energiereiche Ernährung der arbeitenden Bevölkerung sichergestellt werden konnte. Der Fleischkonsum wurde damit im großstädtischen Alltag so stark wirksam, dass unser kulinarisches System dadurch bis heute geprägt ist. All dies fügt sich zu einer Geschichte des Überflusses zusammen – und regt zum Nachdenken über die historischen Bedingungen unserer eigenen Ernährungskultur an.
2019
Die Flügel der Concorde. Analogsimulation als Sichtbarmachung von Störung
DOI: 10.1515/9783110565423
Abstract
Zeit selbst ist nicht anschaulich, daher sind wir zu ihrer Vergegenwärtigung auf Bilder und Modelle angewiesen. Folglich bestimmen visuelle Simulationen dynamischer Prozesse ebenso wie die Gestaltungen zeitbasierter Medien unsere Wahrnehmungen und Lebensweisen. Visuelle Zeitgestaltungen widmet sich historisch und systematisch einer Auswahl von Zeitmodellen, die in Design, Kunst und Wissenschaften durch Bildtechniken konstituiert werden.
(Re-)Konstruktion als Experiment. Sehen und Hören in antiker Architektur
Abstract
Forschen und Gestalten sind experimentelle Vorgehensweisen, die darauf ausgerichtet sind, etwas Neues, noch nicht Existierendes hervorzubringen. Sie haben beide Projektcharakter, denn sie führen an einen Nullpunkt des Wissens. Doch welche Strategien und Verfahren sind es, die aus diesem Nichtwissen, diesen Vermutungen und Ideen zu konkreten Ergebnissen führen? ForscherInnen aus 23 Wissenschafts- und Gestaltungsdisziplinen berichten in diesem Band über ihr Experimentieren und geben Einblicke in ihre Praktiken und Versuchsaufbauten. Er bietet damit eine Bestandsaufnahme zeitgenössischer Experimentalkulturen im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und Gestaltung und skizziert eine Praxeologie des Experiments.
Eine Glühlampe ist eine Kerze ist eine Glühlampe. Edisons »Electric-Lamp« Patent vom 27. Januar 1880
ISBN: 978-3-7861-2722-2
Abstract
Die Patentschriften zu Material und Technik, Holzmöbeln, Metallmöbeln, Stahlrohrmöbeln, Leuchten, Haushaltsgegenständen, Medien, Spielen und ästhetischer Pädagogik sowie Textilien, Wand- und Bildgestaltung eröffnen einen neuen Blick auf die Geschichte des Designs. Ohne Bakelit kein Telefonapparat, ohne Bugholz oder Stahlrohr keine modernen Sitzmöbel – oft inspirierten neue Materialien oder Technologien zu neuem Design, und grundlegend dafür war ihre Verfügbarkeit durch Geschäftsmodelle und Vertriebswege, die nur mit Patentschutz etabliert werden konnten. Doch die Gestaltung der Objekte war auch selbst innovationstreibend. Das Buch widmet sich den Patentschriften des Designs, einer bislang wenig beachtetenQuelle zur Kunst-, Design- und Wissenschaftsgeschichte.Wurden anfangs Patente von Ingenieuren und Geschäftsleuten beantragt, so greifen ab den 1920er Jahren Designer und Architekten mit eigenen Patenten in den vielschichtigen Zusammenhang von Gegenstand und Technik ein. Insgesamt fünfzig ausgewählte Patente auf den Gebieten Material und Technik, Holzmöbel, Metallmöbel, Stahlrohrmöbel, Leuchten, Haushaltsgegenstände, Medien, Spiele und ästhetische Pädagogik sowie Textilien, Wand- und Bildgestaltung aus dem Zeitraum von 1840 bis 1970 erschließen die komplexe Geschichte des Designpatents. Die Patentschriften werden einzeln kontextualisiert und sind im Anhang im originalen Wortlaut abgedruckt.
Technisches: Zeit als Ding
ISBN: 978-3-7574-0020-0
Abstract
In mittelalterlichen Texten haben Dinge so unterschiedlichen wie perspektivabhängigen Charakter. Dieser Band präsentiert für fast jeden Buchstaben des Alphabets Dinge, die in der deutschsprachigen Literatur des Mittelalters zwischen circa 1200 und 1500 vorkommen. Von A wie Apfel der Discordia über M wie Minnetrank bis Z wie Zaubersteine werden Requisiten prominenter Texte betrachtet. Theoretische Überblicksbeiträge, die systematische Zugänge zur Dingtheorie bieten, ergänzen die einzelnen "Dinggeschichten".
Schnittstelle Laderampe. Zur Infrastruktur des Schlachthofs
Abstract
Die Autorinnen der "Materialität der Kooperation" fragen nach materiellen Bedingungen und Medienpraktiken der Kooperation – vor, während und über Situationen hinaus. Kooperation wird als ein wechselseitiges Zusammenwirken verstanden, das mit oder ohne Konsens, mit oder ohne Kopräsenz der beteiligten Akteure in verteilten Situationen vonstattengehen kann. Materielle Bedingung von Kooperation sind Medien als Artefakte, Körper, Texte, Bilder und Infrastrukturen. Sie ermöglichen, bedingen und figurieren wechselseitige Verfertigungen – und entstehen selbst durch Medienpraktiken in kooperativen Situationen.